Die Menschen fliegen ins All, suchen nach intelligentem Leben außerhalb der Erde. Aber wie gut kennen sie den eigenen Planeten? Die Tiefsee ist mehr oder weniger unerforschtes Gebiet. Das nutzt Frank Schätzing in seinem Roman und siedelt eine unbekannte Lebensform mit kollektiver Intelligenz in den Tiefen der Ozeane an. Gekonnt verknüpft er verschiedene Wissenschaftsgebiete wie Meeresbiologie, Zoologie, Ökologie, Vulkanologie und Klimaforschung und erklärt die angerissenen Themen allgemeinverständlich. Außerdem werden philosophische und völkerkundliche Ansätze, religiöse Gedanken und ausführliche Informationen zu technischen Fragen der Ölförderung und der Tiefseeforschung nicht ausgelassen. Auch an Handlungsorten mangelt es in Schätzings „Der Schwarm“ nicht. Trotz der beeindruckenden Themenfülle und Schauplatzvielfalt wird der Leser nicht überfordert. Der Roman ist gut strukturiert, in 5 Teile, einen Prolog und einen Epilog untergliedert. Zwischenüberschriften geben dem Leser Auskunft über den Zeitverlauf und der Ort der Handlung. Ein Kritikpunkt sind die recht eindimensional gestalteten Charaktere, die schon so manch gängigem Klischee entsprechen und sich grob in gut und böse einordnen lassen, das wird durch die abwechslungsreiche Handlung aber gut kompensiert. Denn den Hauptprotagonisten an sich gibt es nicht. Es sind etwa ein Dutzend Personen, davon einige real existierende, die die Handlung maßgeblich vorantreiben. Aus einer umfangreichen Recherche schöpfend, die auch noch in „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ einflossen, schuf Frank Schätzing einen äußerst interessantern und spannungsgeladenen Thriller. Den ersten Teil, in dem die Welt zunächst mit unerklärlichen Erscheinungen konfrontiert wurde, fand ich nahezu genial. Als dann in der zweiten Hälfte der Existenzkampf der Menschheit geschildert wurde, konnte mich der Autor nicht mehr hundertprozentig packen. Da gab es Szenen, die mir zu konstruiert und zu hollywoodlike erschienen und damit einfach nicht ganz meinem Geschmack entsprachen. Das Buch ließ sich gut und flüssig lesen, die wissenschaftlichen Fakten erdrückten die Handlung nicht. Ich empfehle „Der Schwarm“ gern weiter.
Über den Autor (Quelle: amazon.de)
Frank Schätzing, Jahrgang 1957, lebt gleich mehrere Leben. Als Kreativchef einer Werbeagentur, Musiker und Musikproduzent, begeisterter Hobbykoch und seit Mitte der Neunziger als Schriftsteller. Mit „Der Schwarm“ hat sich Schätzing, selber ausgebildeter Taucher, einen Traum erfüllt, nachdem er die Idee der Geschichte tatsächlich Jahre zuvor geträumt hatte. Frank Schätzing lebt und arbeitet in Köln.




