Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Knaus
ISBN-13: 978-3813502725
19,95 EUR
Kurzbeschreibung www.amazon.de
Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst, lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse und der schönen Gouverneurin, geraten aber rasch in das gewalttätige Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt. Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen, aber liebenswerten Oberleutnant Spicer Simson, zwei Kanonenboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schleppen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen vor der pittoresken Kulisse des tropischen Sees. Alle sind sie Gefangene der Zeit, in der sie leben, und jeder hat seine eigene Art, damit fertig zu werden. »Über die Jahre habe ich festgestellt, dass meine Helden allesamt gewöhnliche Menschen sind, die ungewöhnliche Dinge tun. Was mich beschäftigt ist immer der Mensch, der sein Leben in Würde zu leben versucht.« Alex Capus
Eine Frage der Zeit" von Alex Capus ist mein aktuelles Buch, etwa 2/3 habe ich gelesen. In einem anderen Thread habe ich gelesen, dass Wirbelwind und wolves schon auf meine Meinung gespannt sind.
Mir gefällt das Buch ausgesprochen gut. Alex Capus kann wunderbar beschreiben. Er schildert die Weiten Afrikas genauso eindrucksvoll wie das Verhalten des Werftbesitzers bei der Schiffstaufe. Als die 3 Protagonisten in Daressalam eintrafen und er deren erste Eindrücke beschrieb, hatte ich sehr genaue Vorstellungen von der neuen Umgebung der Deutschen. Es ist schon eine ganz andere Welt, als die drei Arbeiter von Deutschland kannten.
Mit gefällt, dass er sich wirklich sehr eng an die historische Vorlage hält. Eigentlich ist sein Buch ge-(be-)schriebene Geschichte. Wieder einmal muss ich sagen, so hätte ich mir meinen Geschichtsunterricht vorstellen können. Trotzdem ist es ein Roman, in dem natürlich auch fiktive Personen dargestellt werden. Ich hätte mir ein Personenverzeichnis gewünscht, bei dem die historisch verbürgten Personen gekennzeichnet sind. Dafür gibt es aber zwei Karten, die auch recht nützlich sind.
Interessant finde ich auch, das Capus so auf politökonomische Einzelheiten eingeht. Der Arbeiter Hermann Wendt war in Deutschland in einem Arbeiterkulturverein engagiert, Marx und Engels wurden dort gelesen und so einige marxistische Gedanken finden sich in diesem Buch wieder. Und Capus weiß ganz genau wovon er schreibt.
Angenehm empfinde ich auch, dass die Anzahl der handelnden Personen nicht so groß ist. Alles bleibt leicht überschaubar. Dafür hat jeder seine eigene Personlichkeit, hat Stärken und Schwächen und auch Männer durfen sich ihren Gefühlen hingeben, dürfen zweifeln, schwach und mal naiv sein.
Einzig mit der Geschichte um die Spicers habe ich ein wenig ein Problem. In sie hat der Autor mir ein bisschen viel hineingelegt. Sie ist die treusorgende Ehefrau, die ohne großes Murren ihrem Mann nach Afrika folgt, dort isoliert lebt, weil er die gesellschaftlichen Kontakte vermasselte. Sie bricht mit ihm Hals über Kopf ihre Zelte in Afrika ab, um nach London zurückzukehren. Dort trifft er auf die Suffragetten und ... seine Gattin engagiert sich auch umgehend dort. Beruflich hatte auch kein glückliches Händchen, er wird sozusagen ins Büro versetzt, um dort keinen Schaden anrichten zu können, denn ein Schiff der Marine hat er schon versenkt. Aber Zum Glück kommt ja der Admiral just in dieses Zimmer und will Spicers Kollegen für einen Sonderauftrag gewinnen. Dieser will nicht, aber Spicer ist zur Stelle. Aber wie gesagt, das ist das Einzige, was mir recht konstruiert erscheint.
Ich habe auf der Homepage von Alex Capus etwas gestöbert und noch eine interessante Zeittafel als Special zum Buch gefunden.





, wäre das Cover nicht so schön und Eure Rezensionen nicht so verlockend ....


