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<<Was ist los? Was ist passiert?>>, fragte ich.
<<Psst>>, zischte Grady.
Das Orchester spielte jetzt <<Stars and Stripes forever>>.
<<O Gott. Verdammter Mist!>> Grady warf seinen Hamburger auf den Tisch und sprang so hastig auf, dass die Bank umfiel.
<<Was? Was ist los?>>, schrie ich, denn er war bereits losgerannt.
<<Der Katastrophenmarsch!“, rief er mir über die Schulter zu.
(Sara Gruen – Wasser für die Elefanten, S. 10)
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Jacob Jankowski ist 93 Jahre und lebt in einem Pflegeheim. Richtig glücklich ist der rüstige Rentner damit nicht, denn – und er wird nicht müde es zu betonen – er ist alles andere als gebrechlich. Seine Unzufriedenheit wächst, als ein Zirkus beginnt, genau vor dem Heim seine Zelte aufzubauen. Jacob wird ungeduldig, denn er möchte unbedingt die Vorstellung sehen.
Doch bis es soweit ist, erinnert sich Jacob an seine eigene Jugend und an seine Zeit als Tierarzt beim Zirkus...
Die Amerikanerin Sara Gruen arbeitete an einem anderen Buch, als sie über das Leben in Zirkussen, während der Depression stieß. Vom Thema gefangen und fasziniert, recherchierte sie das Thema, ließ ihr anderen Buch links liegen. Herausgekommen ist
Wasser für die Elefanten (Original: Water for Elephants).
Während der Roman in den USA gefeiert wurde und lange die Bestsellercharts regierte, ist er hier zu Lande eher unbekannt.
Zurecht?
Einen Pluspunkt hat die Autorin von Anfang an: nicht viele Romane spielen in einem Zirkus und beleuchten das Leben in selbigen.
Und diese Beschreibung gelingt der Autorin rundum, denn man blickt hinter die Kulissen, lernt zu verstehen, wie das Konstrukt Zirkus funktionierte, wie Zirkusmitarbeiter die Welt erlebten.
Alles wirkt sehr authentisch und in sich stringent. Gruen versteht es bei ihrer Beschreibung Akzente zu setzen und vergisst keinen Baustein.
Da das Leben in einem Zirkus selbst zur Zeiten der Depression relativ gediegen war, bringt die Autorin die Liebe mit ins Spiel, die für die nötige Dramatik sorgt. Dabei verliebt sich der unbedarfte 19-jährige Jacob in die verheiratete Marlene und sorgt so für jede Menge Ärger...
Eigentlich kann und mag ich gar nichts Negatives über diesen Roman schreiben: er ist farbenfroh, lebendig und atmosphärisch.
Und dennoch bleibe ich mit einem fast gleichgültigen Gefühl zurück.
Gruen ist ohne Frage ein Roman gelungen, mit dem einige Stunden in eine andere Welt tauchen kann und sich ein verregnetes Wochenende verschönern kann.
Aber leider bleibt der Roman einem nicht lange im Gedächtnis: er ist nett, aber da er ohne nennenswerte Höhen und Tiefen bleibt, keine Hacken schlägt, ist er mir unterm Strich zu 'glatt', um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Schade, denn ich hatte mir so einiges mehr versprochen.
Fazit:Sara Gruen ist mit
Wasser für die Elefanten ein toller Unterhaltungsroman gelungen, der einen für ein paar Stunden mehr als gut unterhält. Trotzdem fällt der Roman leider dennoch eher in die Kategorie „schnell gelesen, schnell wieder vergessen“.