Für mich ein ganz besonderer Leckerbissen! Wunderbare einfühlsame Sprache, bewegende Gefühle und tiefe psychologische Einblicke, absolut Spitze!
Marlen Haushofer wurde am 11. April 1920 geboren, besuchte das Ursulinen Internat in Linz, und studierte danach Germanistik in Wien. Sie veröffentlichte viele Erzählungen, Novellen und Romane, schrieb aber auch Kinderbücher. Am 21 März 1970 verstarb sie an Knochenkrebs.
Sie verschwand ein wenig im Abseits bis sie vor kurzem in der Medienlandschaft wiederentdeckt wurde, und so auch in meinem Bücherregal Einzug fand. Und ich bin darüber sehr glücklich, denn ich habe den Roman “Die Wand” mit sehr viel Genuss und Freude gelesen.
Das Werk wird nicht von einer großen Handlung getragen: Die Protagonisten ist durch mehrere Zufälle, und eine Wand, die man nicht erklären kann und für die es auch keine Erklärung braucht, in einer Jagdhütte im Wald gefangen. Die Autorin schenkt der Protagonistin noch einen Hund, eine Katze und eine Kuh; und damit soll sie dann ihr Leben fristen.
>> Plötzlich schien es mir ganz unmöglich, diesen strahlenden Maitag zu überleben. Gleichzeitig wusste ich, dass ich ihn überleben musste und dass es für mich keinen Fluchtweg gab. Ich musste mich ganz still verhalten und ihn einfach überstehen.
Je weniger ich mich wehrte, desto erträglicher würde es sein. <<
Marlen Haushofer bedient sich einer einfachen Sprache, die aber sehr eindringlich ihre Gefühle und Gedanken spiegelt. Tag für Tag erkennt die Protagonistin ihre eigenen Veränderungen, geprägt durch das harte und entbehrsame Leben im Wald. Sie muss sich und ihre Tiere durchbringen, sie am Leben halten, ansonsten kann sie selber nicht überleben. Allerdings muss sie aus diesem Grund auch über ihren eigenen Schatten springen, denn sie muss töten. Auch muss sie ihrem Körper schinden, ihm so viel Kraft entnehmen, dass sie oft am Ende ihrer Widerstandsfähigkeit ist, und sie verzweifeln möchte. Aber sie darf sich nicht hängen lassen, dann ist es vorbei, dann wird es das Ende sein, also muss sie sich aufraffen.
Dieses Buch ist eins meiner der Highlights 2007! Als ich merkte wie gut mir dieser Roman gefiel, wurde ich immer langsamer beim Lesen, denn ich hatte angst, dass er irgendwann zu Ende sein könnte. Tja, am Schluss war ich sehr traurig, und das nächste Buch wird es sehr schwer haben über diese Hürde zu springen.
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