Krümels-Bücherwelt ...

... ein Literaturforum der anderen Art

Hosseini, Khaled - Tausend strahlende Sonnen




Beitragvon Karthause » 06.11.2007, 19:16

@Wirbelwind
Du sprichst mir aus der Seele. :bussi: Salome hat als Untertitel ihres Blogs "...Lesen gegen Strom". So komme ich mir inzwischen auch vor. Ich lese gegen Bestsellerlisten, Buchpreise und Empfehlungen aus Funk und Fernsehen. Ich lese nach eigenem Gusto (die Tipps aus den Foren mal unbeachtet), mal klappt es mit der Auswahl, dann geht auch wieder mal was daneben. Aber mein Schnitt ist ganz gut.
:wink:

@Krümel
Taschentuchalarm war bei mir bei beiden Hosseinis nicht gegeben. Aber so schnell kommen mir auch nicht die Tränen.
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Beitragvon alwin03 » 06.11.2007, 19:24

karthause hat geschrieben: Aber so schnell kommen mir auch nicht die Tränen.



... nichts kann ich mir besser vorstellen :D
Ich lese zur Zeit:

--------------------------------------- ???


wENN nUr meinE sCHleChte recht(s)SchreIbunG nICHT wÄr :cry:
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Beitragvon Karthause » 06.11.2007, 19:47

@alwin

Wer zu Benecke geht, den erschüttert nichts, oder?? :wink:
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Beitragvon alwin03 » 06.11.2007, 20:15

karthause hat geschrieben:@alwin

Wer zu Benecke geht, den erschüttert nichts, oder?? :wink:


Das kannste glauben !!! :mrgreen:
Ich lese zur Zeit:

--------------------------------------- ???


wENN nUr meinE sCHleChte recht(s)SchreIbunG nICHT wÄr :cry:
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Beitragvon Karthause » 11.11.2007, 12:32

Hier ist ein Link zur Neuen Züricher Zeitung am Sonntag. Auf Seite 9 findet ihr eine Rezension zu Khaled Hosseinis "Tausend strahlende Sonnen", die mir sehr gut gefällt.
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Beitragvon Krümel » 11.11.2007, 12:49

Tut mir leid Karthause. Diese Rezi hat mich total abgeschreckt, genau das was ich überhaupt nicht mag. Es mag zwar keine Übertreibung sein, aber kaum erträgliche Grausamkeit und Kaiserschnitt ohne Narkose, das sind Dinge, die ich mir eigentlich nicht antun möchte :-(
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Beitragvon Karthause » 11.11.2007, 13:17

Naja, was soll ich sagen, Krümel. Als grausam empfand ich das Buch wirklich nicht, eher als recht nah an der Realität, so wie ich mir das Leben in Afghanistan vorstellen kann.

Aber die Geschmäcker sind natürlich verschieden, das ist ja auch das schöne im Leben. So ergibt sich eine Vielfalt.
Viele Grüße
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Beitragvon wolves » 04.12.2007, 15:36

Das wollte ich die ganze Zeit schon schreiben, aber immer wieder habe ich es vergessen. Ich hatte einen Bericht über die Bundeszentrale für politische Bildung im Fernsehen gesehen und bei einem Mitarbeiter lag dieses Buch auf dem Schreibtisch. Vielleicht wird es ja auch wie Schnee von Pamuk in die Schriftenreihe aufgenommen.
Liebe Grüße
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Beitragvon dubh » 06.02.2008, 20:21

Khaled Hosseini, Tausend strahlende Sonnen
(Bloomsbury Berlin, August 2007)
ISBN 978-3-8270-0671-4
384 Seiten; € 22.- (HC)
Originaltitel: A Thousand Splendid Suns



Zum Autor (von der Verlagsseite):
Khaled Hosseini wurde 1965 in Kabul, Afghanistan, geboren. Er ist das älteste von fünf Kindern eines Diplomaten und einer Lehrerin. 1976 zog seine Familie nach Paris, wo sein Vater eine Stelle in der Botschaft Afghanistans übernahm. 1980 sollte ihn der diplomatische Dienst wieder nach Afghanistan zurückführen. Doch zu diesem Zeitpunkt befand sich das Land, nach einem blutigen kommunistischen Staatsstreich, im Krieg mit den sowjetischen Invasoren. Khaled Hosseini und seine Familie erhielten 1980 politisches Asyl in den Vereinigten Staaten und zogen nach San Jose in Kalifornien. Nach Abschluss der San Diego Universität lebt Kahled Hosseini heute als Arzt in Nordkalifornien. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Zum Inhalt (ebenfalls von der Verlagsseite):
Die unehelich geborene Mariam wird mit fünfzehn ins ferne Kabul geschickt, wo sie mit dem dreißig Jahre älteren Witwer Rashid verheiratet wird. Zwanzig Jahre später erlebt Leila, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, ein ähnliches Schicksal. Auch ihr bleibt keine Wahl: Nachdem ihre Familie bei einem Bombenangriff getötet wurde und sie erfährt, dass auch ihr Jugendfreund Tarik, den sie seit gemeinsamen Kindertagen liebt, angeblich ums Leben gekommen ist, wird sie Rashids Zweitfrau. In dem bis dahin kinderlos gebliebenen Haushalt bringt Leila nacheinander eine Tochter und einen Sohn zur Welt.
Während der Taliban-Herrschaft machen Bombardierungen, Hunger und physische Gewalt das Leben der Familie zur Qual. Die Not lässt die an sich so unterschiedlichen Frauen zu engen Freundinnen werden und ihre Stärke schließlich ins Übermenschliche wachsen.

Meine Meinung:
Selten hat ein Autor menschliche Schicksale so greifbar, so erschreckend "nah" beschrieben: Mariam, als uneheliches Kind geboren, erlebt schreckliche Dinge in ihrem noch jungen Leben zu Beginn der 60er Jahre in Afghanistan - sie wird selbst von ihrer Mutter ab und an 'harami' genannt, ein Begriff, der für etwas Unerwünschtes steht, das wird ihr schnell klar. Und so sind die wöchentlichen Besuche ihres Vaters ihr ein und alles. Doch als sie eines Tages die Mutter erhängt vorfindet, geht alles recht schnell: der Vater holt sie zwar zu sich, doch seine Frauen und Kinder ertragen den "Schandfleck" in ihrem Haus nicht lange und so wird Mariam einfach mit einem dreißig Jahre älteren Mann verheiratet. Und auch das Leben dort wird schnell zum Albtraum - Raschid ist jähzornig und brutal, Mariam zudem einsam.
Zwanzig Jahre später heiratet Mariams Mann ein zweites Mal, wenngleich auch eine ebenso junge Frau wie Mariam es bei ihrer Hochzeit auch war. Er nimmt es Mariam übel, dass sie ihm keinen Sohn gebären konnte und so muss Leila, seine Zweitfrau, diese Aufgabe erledigen...

Vor allem ging mir das Schicksal der beiden Frauen nahe - ich war nach manchen Seiten so betroffen, dass ich das Buch erst einmal aus der Hand legen musste. Zum Beispiel wird von einer Situation erzählt, in der Mariam ihrem Mann wegen des Essens widerspricht, er daraufhin Kieselsteine holt und sie zwingt diese in den Mund zu nehmen und so lange zu kauen bis sie Blut und Trümmer der Backenzähne ausspuckt.
Trotz solcher furchtbarer Szenen gibt es auch immer wieder Szenen voller Mut, Freundschaft und auch kleinen Glücks - Hosseini schafft es wunderbar, dass man sich in die authentisch geratenen Figuren einfühlen kann, sich mit ihnen fürchtet und mit ihnen weint, aber sich auch mit ihnen freut. Außerdem hat er die Geschichte der letzten Jahrzehnte seines Heimatlandes wunderbar mit eingeflochten - eines Landes, das fast täglich in unseren Nachrichten auftaucht und über das wir doch so wenig wissen. Und so wird einem die Tragweite der sowjetischen Invasion ebenso deutlich wie die Auswirkungen auf die Bevölkerung (und allen voran die Frauen) nach der Machtergreifung der Taliban bewußt...

Aber die große Stärke Hosseinis liegt sicherlich in seiner Einfühlsamkeit mit der er den (Leidens-)Weg von Mariam und Leila erzählt und ganz erstaunlich ihre innerste Gefühlswelt inmitten von männlicher Willkür für uns offen legt.

Fazit: Nicht nur ein trauriges Buch - aber ein einfühlsames, das uns die Menschen in einem kriegsgeplagten Land nahebringt und sicherlich auch eine Hommage an die ehemals weltoffene Hauptstadt Kabul ist.

:stern: :stern: :stern: :stern: ( :stern: )

Liebe Grüße
dubh
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