Krümels-Bücherwelt ...

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Hwang Sun Won – Trees on a slope




Hwang Sun Won – Trees on a slope

Beitragvon tom » 19.02.2008, 01:44

Original: Namudul pital e soda (koreanisch, zuerst 1960 erschienen)

Diese Novelle erzaehlt von drei befreundeten Soldaten gegen Ende des Koreakrieges (1950-53), Hyon-tae, Yun-Gu und Tong-Ho, wobei es sowohl um schreckliche Szenen aus dem Kriege geht, aber vielmehr auch um die inneren Auseinandersetzungen, innerhalb desselben Lagers, innerhalb ein und derselben Person. Im zweiten Teil begleiten wir die zwei uebriggebliebenen Hauptpersonen in den Nachkriegsjahren.

Diese Novelle hat mich auf mehreren Ebenen sehr nachdenklich gestimmt. Hyon-tae ist der selbstsichere, zielbewusste Krieger ohne Gewissensbisse, der dann aber in den Nachkriegszeiten dem Alkohohol, aber auch einer totalen Ziellosigkeit verfaellt. Tong-Ho konnte sich den Zechereien und dem Spiel mit leichten Maedchen lange Zeit nicht anschliessen, denn er blieb seiner Braut treu bis er dann aber, verfuehrt von seinen Kumpanen, sich gehen laesst und ebenfalls mitzieht. Er wird sich – so ahnt der Leser – dies nicht verzeihen, und sein Leben endet im Drama. Yun-Gu lief in dieser Zeit mit, laesst ein Maedchen in unmoeglicher Situation in einer Sackgasse. Erst in den Nachkriegsjahren nimmt er langam Abschied von diesem ziellosen, von Saufzechereien und leichtem Leben gepraegten Leben Abschied und findet als Einziger quasi zurueck in die Gesellschaft indem er erfolgreich eine Huehnerfarm aufbaut...

Der Kernsatz des Buches mag wohl sein, dass der Krieg keinen ohne Schaden zuruecklaesst. Jeder traegt eine Last, von den Unschuldigsten bis zu den Schuldigsten und jeder ist nicht nur allein Taeter, sondern auch Opfer, nicht allein Opfer, sondern auch Taeter. Wie Sun Won das hier umsetzt ist wirklich meisterhaft. Vielleicht laesst uns manche trockene Beschreibung einer sehr harten Begebenheit erschauern, aber ich vermute dahinter eine »koreanische Weise » zu erzaehlen.

:stern: :stern: :stern: :stern:

Hwang Sun Won (1915 - 2000) war ein koreanischer Kurzgeschichtenschreiber, Novellist und Dichter. Er wurde in Taedong, im heutigen Nordkorea, geboren und kam 1946 mit seiner Familie in den Sueden Koreas. Er unterrichtete ueber dreissig Jahre lang an einer Seouler Universitaet kreatives Schreiben.

Verlag: University of Hawai'i Press (30. März 2005)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0824828879
ISBN-13: 978-0824828875
tom
 

von Anzeige » 19.02.2008, 01:44

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Beitragvon Pippilotta » 19.02.2008, 05:57

Es ist sicher interessant, den Koreakrieg "von der anderen Seite" kennenzulernen. In unseren Breiten gibt es üblicherweise nur Bücher, die die "amerikanische" Seite beschreiben. Alleine deshalb sicher schon lesenswert!
Danke für die Rezi!
Herzliche Grüße
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Beitragvon alwin03 » 19.02.2008, 08:22

@Pippi, ich schließ mich Deinem Komentar an.

Die andere Seite mal kennenzulernen klingt sehr interessant.
Ich lese zur Zeit:

--------------------------------------- ???


wENN nUr meinE sCHleChte recht(s)SchreIbunG nICHT wÄr :cry:
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Beitragvon tom » 19.02.2008, 09:06

Der aus Nordkorea stammende Hwang Sun Won ist VOR dem Koreakrieg im Sueden gelandet und DORT natuerlich ein bekannter Autor geworden (in der Art ueber den Krieg zu schreiben, haette er im Norden eh nicht "Erfolg" gehabt). Die "andere" Seite ist also hier nicht die gegnerische Seite, denn die Suedkoreaner haben ja in der Allianz der Vereinten Nationen an der Seite vor allem der Amerikaner gekaempft.
Aber wahrscheinlich meintet ihr "andere Seite" als jene, die im Kerne betroffen war? Ja, das stimmt. Wobei ich trotz der Lokalisierung in diesem konkreten Krieg doch einen Schwerpunkt in Fragen des "inneren Krieges", der Abtumpfung, der inneren Zerrissenheit von Soldaten sehe. Sicherlich Fragen, die universelle Bedeutung hatten/haben.
tom
 

Beitragvon Pippilotta » 19.02.2008, 12:50

achja, das stimmt natürlich, das habe ich jetzt gar nicht überdacht. Aber es wirft gleich eine Frage auf: gibt es (natürlich wird es sie geben, aber kennst du was oder kannst du was empfehlen) Literatur über den Koreakrieg (oder auch Vietnamkrieg) aus der "anderen" Sicht? Vielleicht geht es den anderen auch so, aber ich kenne diese beiden Kriege eigentlich nur aus der Sicht der Amerikaner, inkl. literarischer Verarbeitung.
Herzliche Grüße
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Beitragvon tom » 19.02.2008, 12:57

Da bin ich wohl ueberfragt... Doch obwohl ich bei den Interventionen der Amerikaner groesste Bedenken habe, steht wiederum auch fest, dass sich auf der "anderen Seite" ziemliche ideologische Hardliner befanden. (Vielleicht weiss Voltaire etwas mehr dazu?) Was Nordkorea anbetrifft, bin ich recht sicher, dass es keine wirklich persoenliche Aufarbeitung in literarischer Form gegeben hat, was ueber den "heroischen Kampf" und aehnliche Platitueden hinausreicht. Da befinden wir uns angesichts einer Diktatur, die das freie Schreiben einfach unterdrueckt und zu den haertesten Regimen der Welt gehoert.

In Viet-Nam gibt es zumindest jene Anna Moi, von der ich neulich ein Buch vorstellte (siehe Rezi)..., aber vielleicht auch noch mehr???
tom
 

Beitragvon Pippilotta » 19.02.2008, 13:40

danke, Tom!
Herzliche Grüße
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Beitragvon tom » 19.02.2008, 14:08

Nicht zu unterschaetzen ist jedoch die massive Auswanderung/Flucht von Nordkoreanern, soweit es noch moeglich war. Diese Nordkoreaner sind in der suedkoreanischen Gesellschaft oft sehr aktiv geworden und vom eberlesen weiss ich, dass natuerlich auch viel Schriftsteller aus dem Norden STAMMEN. Mir fiel in dem Zusammenhang ein hier:

http://www.iphpbb.com/board/ftopic-4736 ... -1404.html

rezensiertes, kommentiertes Buch ein. Schau mal nach!
tom
 


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