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Lobo Antunes, António - Elefantengedächtnis

11.02.2007, 19:50

[center]ANTONIO LOBO ANTUNES - ELEFANTENGEDÄCHTNIS[/center]

Das Buch erzählt den Ablauf eines Tages eines namentlich nicht genannten Psychiaters. Es genügt allerdings ein kurzer Blick auf Lobo Antunes’ Biografie und man erkennt, dass in diesem Buch sehr viel Autobiografisches verarbeitet wurde.
Seine Arbeit in einer Lissabonner Nervenheilanstalt mit all den unvorstellbaren Zuständen, sein tiefer Schmerz über die Trennung von seiner Frau und seinen beiden Töchtern, die gesellschaftspolitischen Zustände in der Zeit der Nelkenrevolution in den 70er Jahren und nicht zuletzt die Verarbeitung eines Traumas – der Einsatz im Angola-Krieg, nicht umsonst „das Vietnam Portugals“ bezeichnet, bilden den Kern dieser vielschichtigen Erzählung.

Es ist mehr eine Bestandsaufnahme, die Handlung beschränkt sich alleine auf die Orte und damit verbundenen Erinnerungen, die der Protagonist aufsucht. Begleitet von unendlich vielen Bildern und Metaphern, ausufernden, teils recht ironischen und witzigen Vergleichen, bekommt der Leser einen recht guten Eindruck von diesem Arzt, der mit seinem Schicksal hadert, jeglichen Lebensmut verloren hat und das Vergangene nicht loswerden kann.

Besonders erwähnenswert sei die überwältigende Erzählsprache, die dem Leser höchste Konzentration und Aufmerksamkeit abverlangt. Es artet fast schon in Arbeit aus, aus der Fülle von Gedanken, Bildern und Vergleichen jene Hinweise herauszuspicken, die für die Handlung wesentlich sind. Gegen Ende des Buches (es umfasst knapp 200 Seiten) wurden mir diese ausufernden Schilderungen fast schon zuviel.

Alles in allem aber ein sehr bemerkenswerter Schriftsteller, der wohl in unseren Breiten mehr Bekanntheit verdienen würde!

António Lobo Antunes

António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren. Er studierte Medizin, war während des Kolonialkrieges Militärarzt in Angola und arbeitete danach als Psychiater in einem Lissabonner Krankenhaus. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. In seinem Werk, das mittlerweile fünfzehn Titel umfasst und in über fünfzig Sprachen übersetzt worden ist, setzt er sich intensiv und kritisch mit der portugiesischen Gesellschaft auseinander.

:stern: :stern: :stern: :stern:

Bild

11.02.2007, 19:50

12.02.2007, 10:14

Hallo Pippi,

eine schöne Rezension hast Du geschrieben, dass dem Buch wirklich gerecht wird! :thumleft:

Ich kann da wirklich nichts mehr hinzufügen. Leicht macht es Antunes einem wirklich nicht, aber die "Arbeit" lohnt sich meiner Meinung nach. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass man das Buch in einer etwas depressiveren Lebensphase vielleicht nicht lesen sollte.

Wie hast Du das eigentlich empfunden. Hat dich das Buch "runtergerissen"? Bei mir war das jetzt nicht der Fall. Dafür hat bei mir die Begeisterung für diese vielen Bildern und Metaphern überwogen, wenn es auch mir gegen Schluss etwas zu viel wurde.

12.02.2007, 10:33

@wolves: Nein, das Buch hat mich nicht "runtergerissen" überhaupt nicht. Da geht es mir eher wie dir.

Für mich war es vielleicht - aufgrund des Stils - zu realiätsfern. Bei Büchern, die prägnant, kurz und "expressionistisch" geschrieben sind, fühle ich mich viel mehr betroffen (Olmi, z.B.). Für mich federn diese sprachlichlen Ausschweifungen viel von der Tragik, viel von der Betroffenheit ab.

12.02.2007, 11:42

Soll ich das Buch im Blog veröffentlichen, Pippi?

12.02.2007, 12:11

Krümel hat geschrieben:Soll ich das Buch im Blog veröffentlichen, Pippi?


Wenn du meinst dass die Rezi brauchbar ist, kannst du es gerne veröffentlichen, danke!

12.02.2007, 12:37

Pippilotta hat geschrieben:Wenn du meinst dass die Rezi brauchbar ist, kannst du es gerne veröffentlichen, danke!


Brauchbar :shock: , liebe Pippi stell dein Talent nicht unterm Scheffel :wink:

12.02.2007, 12:46

Pippilotta hat geschrieben:
Krümel hat geschrieben:Soll ich das Buch im Blog veröffentlichen, Pippi?


Wenn du meinst dass die Rezi brauchbar ist, kannst du es gerne veröffentlichen, danke!



Liebe Pippilotta,

zu diesem deinem Satz möchte ich auch gern was sagen, auch wenn Dieter Nuhr mir jetzt zurufen würde "Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Fresse halten" - aber glücklicherweise ist der Dieter momentan gar nicht hier.

Antonio Lobo Antunes ist zweifellos ein Großer seiner Zunft, allerdings habe ich bisher für mich gesprochen, keinen rechten Zugang zu ihm gefunden. Und ich habe über seine Bücher schon so manche Rezension gelesen, die ich alle leider nicht sehr ernst nehmen konnte.

Die erste wirklich gute und vorallen Dingen ernstzunehmende Rezension über diesen Autor habe ich hier in diesem Forum gelesen - ich meine damit deine Buchbesprechung. Du hast das, was diesen Autor so besonders macht, wunderbar auf den Punkt gebracht und mir damit zugleich deutlich gemacht, die Dinge vielleicht auch mal etwas anders zu sehen, wenn ich denn mal wieder ein Buch von ihm zur Hand nehme.

Spitzen-Rezi! Herzlichen Dank dafür!

12.02.2007, 12:51

Steht drin, und macht sich gut :D
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