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Olmi, Veronique - Eine so schöne Zukunft




Olmi, Veronique - Eine so schöne Zukunft

Beitragvon Salome » 06.03.2007, 08:04

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Veronique Olmis dritter Roman " Eine so schöne Zukunft" erzählt zunächst einmal die Geschichte zweier Paare, beide aus der Pariser Theaterszene, beide in Lebens - bzw. Beziehungskrisen; jeder dieser vier Menschen steht an einem Scheidepunkt.
Die Autorin stellt diese vier Charaktere zunächst kurz, präzise, mit einem scharfem Blick für das eigentlich Wesentliche vor, lässt uns einen Blick in ihre (Ab -) Gründe erhaschen.

Schließlich, an einem dieser typischen Premierenabende im Theater lernen sich beide Paare kennen. Insbesondere die beiden Frauen verbindet bald eine innige Freundschaft.Elisabeth und Clara, zwei grundverschiedene Frauen, treffen gemeinsam weitreichende ihr Leben betreffende Entscheidungen, helfen sich durch schwere Zeiten, sie ergänzen sich.
Elisabeth ist seit der Geburt ihrer Töchter ohne Engagements, sie sehnt sich nach ihrem Beruf, und nach der Zärtlichkeit und dem Respekt
ihres Ehemannes. Der hat jedoch schon seit einigen Jahren ein Verhältnis und sieht Elisabeth nur noch als funktionierende Hausfrau und Mutter seiner Kinder, er nimmt sie weder ernst, noch nimmt er sie überhaupt wahr.
Clara, eine wunderschöne, begehrenswerte Schauspielerin in ihrer Blüte, führt eine lieblose Beziehung zu einem Mann, den sie eigentlich nur benutzt, um überhaupt eine Konstante in ihrem Leben zu haben, ein wenig Wärme. Sie ist innerlich tot, leidet unter ihrer unglücklichen Kindheit, unter der Oberflächlichkeit ihres Umfeldes, die ihr immer mehr bewusst wird.
Natürlich werden auch die Geschichten der beiden Männer eindrucksvoll geschildert, so dass das Bild komplettiert wird.

Mit diesem Roman ist Veronique Olmi wieder ein fantastischer Roman gelungen. Sie spielt mit Klischees und beherrscht Untertöne, die sie mit ihrer wieder einmal beeindruckenden Sprachkunst zum Ausdruck bringt. In einigen Rezensionen wurde ihr diese Tatsache, als Zuwendung zum typischen Frauen- Schicksalsroman ausgelegt. Beschäftigt man sich jedoch wirklich eingehend mit ihrer Geschichte, bemerkt man schnell die Vielschichtigkeit und Tiefe.

Eine berührende, schöne Geschichte, zu deren Lektüre ich nur raten kann.
Zuletzt geändert von Salome am 15.04.2007, 07:25, insgesamt 1-mal geändert.
Salome
 

von Anzeige » 06.03.2007, 08:04

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Beitragvon Karthause » 06.03.2007, 08:56

So wie du es beschreibst, scheint es wieder ein echter und typischer Olmi-Roman zu sein. Hört sich sehr interessant an. Danke, für die schöne Rezi. :D
Viele Grüße
Karthause

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Beitragvon marilu » 15.09.2007, 09:56

Im BT habe ich meine Meinung schon gepostet, hier soll sie natürlich auch gesagt werden:

Ich habe den Roman binnen zwei Tagen durchgelesen. Er hat bei mir einen Nerv getroffen. Seine melancholische Stimmung erinnerte mich an "Zusammen ist man weniger allein" und manche Stellen hätten auch einem Roman von Margaret Atwood entnommen sein können.

Schemenhaft wird die Geschichte der beiden Frauen Elizabeth und Clara durch die Sicht von Boris, Claras Liebhaber, ergänzt. Jede der Hauptfiguren kämpft einen einsamen Kampf um die eigene Würde, für ein wenig Liebe und Wärme. Jede(r) geht dabei seinen Weg und meistert ihn mehr oder weniger erfolgreich. Die Sehnsucht nach Liebe, Annerkennung und die Überwindung der eigenen Schwächen ist dabei übermächtig. Der Prozess der Bewusstwerdung eigentlicher Probleme wird auf nur 191 Seiten sehr einfühlsam und ruhig berichtet. In solch einem schmalen Bändchen bleibt vieles ungesagt, was der Leser aber leicht erahnen, bzw. erträumen kann.

Gerade dieser Freiraum, den Véronique Olmi ihren Lesern einräumt, fand ich ansprechend!

Einen Stern Abzug vergebe ich, weil mir die Charaktere so ans Herz gewachsen sind, dass ich mir manchmal noch mehr Information zu ihnen gewünscht hätte.

:stern: :stern: :stern: :stern:
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