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Seierstad, Asne - Der Buchhändler aus Kabul

13.11.2007, 12:34

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Typisch west-europäisches Denken, welches nicht über den Tellerrand hinausschauen kann!

Die norwegische Schriftstellerin Seierstad lebt drei Monate bei der Familie Khan, die sie in Kabul kennen lernt, und da sie diese Familie interessant findet, möchte sie ein Buch über diese Khans schreiben.
Das Familienoberhaupt dieser Familie ist Sultan Khan. Er ist Buchhändler, und betreibt drei Buchläden in Kabul. Über Jahrzehnte sammelt er Bücher über die Traditionen des afghanischen Volkes, er erlebte mutwillige Buchverbrennungen der Russen, der Taliban und anderen Regimes, die sein Land einnahmen, und auf die Kultur und Tradition seines Volkes herumtrampelten.
Das Buch ist nicht als fortlaufende Geschichte geschrieben, sondern in einzelnen Episoden der Familienmitglieder. Der Leser lernt nach und nach alle ein wenig kennen.
So schildert Seierstad zunächst die zweite Hochzeit von Sultan, und wir erfahren was danach mit der ersten Frau geschieht: Sie hat nach moslemischen Glauben nach dieser Hochzeit keine Rechte mehr, und muss sich unterordnen.
Wir lernen Leila kennen, die Jüngste im Klan; Sultans Brüder und Söhne, seine Mutter. Insgesamt 13 Menschen wohnen in dieser beengten Wohnung. Darüber hinaus berichtet die Autorin auch noch über die politische Geschichte und jetzige Situation in diesem Land. Soweit hat mir dieses Buch gefallen!

Was mir nicht gefallen hat, ist, dass die Autorin sich nicht in die Traditionen des Islams hinein denken kann, und nur unsere westliche Gedanken zum Ausdruck bringen kann. Sicherlich finde ich es auch schrecklich, wenn ich lese in welcher Art und Weise dort Frauen unterdrückt werden, unter welcher Fuchtel die Brüder und Söhne Sultans stehen, aber ich sollte dennoch versuchen diese Kultur zu verstehen. Selbstverständlich sollte sich in diesem Land künftig etwas ändern, aber das kann nicht von heute auf morgen passieren, so was braucht Zeit; auch bei uns hat es lange gedauert; und ist auch noch nicht solange her, dass Frauen bei uns wählen und emanzipiert sind. Zumal, wenn man das Buch aufmerksam liest, die Frauen in dieser Kultur stark verwurzelt sind, und nicht direkt und plötzlich von ihren Gewohnheiten abkönnen.
Diesbezüglich drückt die Autorin zu sehr auf die Tränendrüse, löst Taschentuch-Alarm aus was eigentlich nicht angebracht ist. Die “arme” Leila und der “traurige” Bruder, mit solchen Attributen unterstreicht sie zu sehr ihre subjektiven Empfindungen, und kommt über die westliche Sichtweise nicht hinaus. Traurig!

Über die Autorin:
Sie wurde 1970 in Oslo geboren, arbeitete als Korrespondentin für verschiedene skandinavische Zeitungen und das Fernsehen in Russland, China sowie auf dem Balkan. Für ihre Berichterstattung vom Kosovo-Krieg wurde sie als “Beste TV-Journalistin” ausgezeichnet. Zwei Wochen nach dem 11.September reiste sie als Kriegsberichterstatterin nach Afghanistan.

Bewertung: :stern: :stern: :stern:

13.11.2007, 12:34

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