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Bendikowski, Tillmann - Friedrich der Große




Bendikowski, Tillmann - Friedrich der Große

Beitragvon Nomadenseele » 11.10.2011, 19:39

Da die Kategorie *Geschichte* fehlt, poste ich die erste Rezi hier.

Die große moderne Biografie über Leben und Mythos des legendären Preußenkönigs

Auch dreihundert Jahre nach seiner Geburt polarisiert Friedrich der Große (1712–1786). Der legendäre Preußenkönig wird bewundert und verachtet, geliebt und gehasst. Tillmann Bendikowski folgt den Spuren des »Alten Fritz«, der sechsundvierzig Jahre regierte. Er entfaltet die fesselnde Biografie eines Multitalents: ein absolutistischer Herrscher, der die Folter abschaffte, Frömmelei verachtete, als brillanter Analytiker Strukturen und Menschen durchschaute; ein risikofreudiger Kriegsherr, der sich doch früh von seinem Vater, dem »Soldatenkönig«, distanzierte; ein schillernder Intellektueller, der die besten Köpfe seiner Zeit umwarb; und ein ambitionierter Liebhaber der Künste. Bendikowskis Biografie des Preußenkönigs stellt die mannigfaltige Widersprüchlichkeit der historischen Figur in den Mittelpunkt, erzählt daneben aber auch ihre Wahrnehmung – und Instrumentalisierung – im Lauf der deutschen Geschichte eingehend nach.

Über den Autor

Dr. Tillmann Bendikowski, Historiker und Journalist, ist Leiter der Medienagentur Geschichte in Hamburg. Er verfasst Beiträge für Printmedien und Hörfunk und betreut die wissenschaftliche Realisierung von Forschungsprojekten und historischen Ausstellungen. Für das Museum »Varusschlacht im Osnabrücker Land« realisierte er die Sonderausstellungen »Theodor Mommsen« (2003) sowie »Gesprochen, geschrieben, gedruckt. Wie die Rede auf die Varusschlacht kam« (2007).

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Die Biographie, die keine sein möchte – so kann man das Buch kurz und bündig zusammenfassen.

Das Leben Friedrichs des Großen wird auf 150 Seiten abgehandelt, was zwangsläufig dazu führt, dass eine Oberflächlichkeit zur nächsten führt. Denn, und das ist das traurige an dem Buch, dem Autor interessiert das Subjekt überhaupt nicht; die *Biographie* ist nur das Vorspiel zu seiner Analyse um Friederichs II. Bild im Dritten Reich, in der DDR und BRD.
Für die Erkenntnis, dass die Deutschen alles viel zu verkrampft sehen, brauche ich kein Buch zu lesen, das traurige Blabla der Politiker zur Nibelungentreue gegenüber Israel und was wieder im Hinblick auf die deutsche Geschichte alles nötig ist oder nicht gemacht werden darf, ist zum reihern genug. Insofern taugt der Rückblick auf die DDR / BRD auch nur, um sich klar zu machen, wie manipulierbar und manipulierend die Geschichtswissenschaften sind – wahrscheinlich schreiben wir unsere Hausarbeiten auch unter dem Einfluss zeitgeistiger Strömungen und blenden Unbequemes aus oder schreiben es zumindest nicht, weil es eine schlechte Note zur Folge haben könnte.

Was totaler Schwachsinn ist, ich darf nicht jemanden dafür verurteilenden, dass jemand innerhalb seiner Zeit handelte ; wir werden von den Medien auch manipuliert (Die deutschen Medien halten sich zur Zeit sehr zurück, was die Erschießungen der Schwarzen in Libyen angeht), die angeblich allgegenwärtige Terrorismusgefahr oder wie Vallatina berichtete, dass in Mexiko nicht überall Mord und Totschlag herrscht, amerikanische Schiffe aber den dortigen Hafen nicht anlaufen. Weswegen ich mich auch seit der Schulzeit strikt weigere, mich mit dem Dritten Reich auseinanderzusetzen, ob in Schrift, Ton sonstwie, weil ich immer das Gefühl habe manipuliert zu werden (wenn ich den Quatsch mit dem *Unrechtsstaat* höre, bekomme ich schon zuviel; nur weil die Gesetze dort z.T. menschenfeindlich waren, ist es noch lange kein *Unrechtsstaat* – jedenfalls wenn ich *Rechtsstaat so definiere, dass ein funktionierendes Justizwesen gibt Ein Rechtsstaat hat für mich etwas mit der Ausführung von Gesetzen zu tun und nicht mit den Gesetzen an sich – wobei es ähnlich fair wäre, die USA wegen der Todesstrafe als *Unrechtsstaat* zu bezeichnen und alle anderen Gesetze außer Acht zu lassen.).

*Friederich der II. von Preußen war wohl ein Ur-Ur-Ur-Urenkel der Maria Stuart, nicht aber ein ur-Ur-Ur-Urgroßvater Hitlers. Er baute weder Autobahnen noch Konzentrationslager, er starb einen betagten, friedlichen Tod.*

(Rudolf Augstein, 1968, S. 268)

Fazit:

Als Biographie ein Rohrkrepierer führt das Buch die Manipulierbarkeit der Geschichtswissenschaften vor, bis man am liebsten das Studium schmeißen und sich nie wieder damit beschäftigen möchte.

Bild

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (12. September 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570011313
ISBN-13: 978-3570011317
Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 3,4 cm
Nomadenseele
 

von Anzeige » 11.10.2011, 19:39

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Re: Bendikowski, Tillmann - Friedrich der Große

Beitragvon Pippilotta » 12.10.2011, 14:09

Danke, Nomadenseele, für die erste Rezi! Ich denke, die Kategorie "Politik und Wirtschaft" passt am ehesten, ich habe mir erlaubt, Deine Rezi hierhin zu verschieben!
Herzliche Grüße
Pippilotta


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