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Christ, Lena - Erinnerungen einer Überflüssigen




Christ, Lena - Erinnerungen einer Überflüssigen

Beitragvon Katia » 20.04.2011, 12:04

Lena Christ: Erinnerungen einer Überflüssigen


Der autobiographische Roman der bayerischen Schriftstellerin umfasst ihr Leben bis zum frühen Erwachsenenalter im Oberbayern im späten 19. Jahrhundert:
Lena Christ ist ein uneheliches Kind, die Mutter ist nach München gezogen, das Kind wächst zunächst bei den Großeltern auf dem Land auf. Doch als ihre Mutter heiratet, nimmt sie ihr Kind zu sich, statt Lausdirndl-Leben bei den Großeltern, ist die Achtjährige nun Haushaltshilfe, Kindsmagd, später Köchin und Kellnerin im Wirthaus der Schwiegervaters. Beschimpfungen und Misshandlungen durch die Mutter sind an der Tagesordnung: das ledige Kind wird weiterhin als Schande empfunden und bekommt dies zu spüren. Mehrfach versucht Lena daraus auszubrechen. Zu den Großeltern, ins Kloster, als Angestellte eines anderen Wirtshauses. Doch immer wieder kehrt Sie zurück; teils unter Zwang, teils freiwillig.
Mit 20 heiratet Sie Benno, doch aus dieser endgültige Ausbruch aus dem Elternhaus steht unter schlechten Vorzeichen...

Der Titel und das Wissen um Lena Christs Biographie lässt ahnen, dass es nicht viel Fröhliches zu lesen geben wird. Ein Kind steht im Zentrum des Romans, das als überflüssig empfunden wird und sich selbst ebenso empfindet. Trotz allem versucht Lena sich immer wieder der Mutter zu nähern, meist nur um so rüder zurückgestossen zu werden: durch seelische und körperliche Verletzung. Das Bild nach außen muss gewahrt bleiben - so behauptet die Mutter an ihrem 10. Hochzeitstag, es sei ihr 20., um ihr lediges Kind als eheliches auszugeben. Und das obwohl ihr Mann gerade mal 35 Jahre ist!
Traurig ist das Buch also, tragisch, mitreißend, belastend, fesselnd. Eines jedoch mit Sicherheit ebensowenig wie seine Autorin: Überflüssig.

Lena Christs Buch zeigt exemplarisch ein Frauenleben, der heutige Leser erfährt aber sehr viel über die Lebensumstände und Bräuche in München und Oberbayern. Allein die Darstellung des Klosterlebens ist spannender als viele Reportagen und erlaubt einen tiefen Einblick in die Zeit, ihr religiöses Leben und ihren Umgang mit Behinderten.
Hatte ich bei der Rumpelhanni vor dem Bairisch gewarnt, kann ich diese Warnung hier stark abgeschwächen: das Buch ist bei weitem nicht so dialog- und daher dialektlastig.
So spreche ich eine klare Empfehlung für dieses Buch, für Lena Christ aus.

:stern: :stern: :stern: :stern: :stern:

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