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Fischer, Ernst Peter - Werner Heisenberg




Fischer, Ernst Peter - Werner Heisenberg

Beitragvon mombour » 07.06.2012, 15:13

Hallo,

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Ernst Peter Fischer: Werner Heisenberg - Das selbstvergesssene Genie

An sich hatte ich vorgehabt, eine schöne, lebendige Autobiografie des bedeutenden Physikers zu lesen, wurde aber nur mit einem Wust akademischer Langrweile gelangweilt. Es kann doch niemand erwarten, dass ich erst ein paar Semester Physik studiere, damit ich eine Biografie lesen kann. Da werden Begriffe wie „ Zeemann – Effekt“, „Quantenzahlen“ u.a. in den Text gesetzt, aber, um was es da geht, bleibt ziemlich im Nebel.

Die Biografie beginnt mit einem Zitat aus einem Brief Heisenbergs an Wolfgang Pauli: „Die Bahn entsteht erst dadurch, daß wir sie beobachten.“ Das steckt schon viel Quantenphysik drin und Bohrs Atommodell wackelt, doch tut sich der Autor der Biografie ziemlich schwer, Heisenbergs Erkenntnisse anschaulich dem Leser zu vermitteln. Viel mehr erreichten mich Fischers Ausführungen zu Heisenbergs Persönlichkeit. Die Selbstvergessenheit. Heisenberg nahm keine Rücksicht auf die Welt, wenn er sich einem Thema hingab. Darum wirkte er manchmal schroff. Vielleicht, so denke ich mir, ist diese Selbstvergessenheit vielleicht der wesentliche Punkt, warum Heisenberg überhaupt das bisherige Weltbild der klassischen Physik über den Haufen werfen konnte. Schließlich kam er mit völlig neuen Ideen und Erkenntnissen, konnte sich auch gar nicht leisten, sich von anderen Fachkollegen beeinflussen oder einengen zu lassen. Darum muss man sich auch nicht wundern, wenn Heisenberg im Jahre 1922 Niels Bohr während eines Vortrages in Göttingen widerspricht. Heisenberg kritisierte Bohrs Atommodell. Ihm sind u.a. einige Fehler in manchen Berechnungen von Bohrs Assistenten aufgefallen.

Heisenberg in Fischer hat geschrieben:Bohr benützt die klassische Mechanik oder die Quantentheorie eigentlich... so, wie ein Maler Pinsel und Farbe benützt. Durch Pinsel und Farbe ist das Bild nicht bestimmt, und die Farbe ist nie die Wirklichkeit; aber wenn man das Bild vorher, wie der Künstler, vor dem geistigen Auge hat, so kann man es durch Pinsel und Farbe – vielleicht nur unvollkommen – auch den anderen sichtbar machen. (Seite 55).


Heisenbergs Kant - Kritik wird dem allgemeinen Leser verborgen bleiben, wenn er Immanuel Kant nicht gelesen hat (Wer kann das?). Für den Normalsterblichen wie ich, müsste es reichen, gute Sekundärliteratur zu lesen wie die Kantbiografie von Manfred Geier. Auch der an sich spannende Themenbereich zu Heisenberg und die Atombombe, liest sich wie der Anblick einer vertrockneten Orchidee. Nach Ernst Peter Fischer, waren Heisenberg und seinen Mitarbeiter gar nicht in der Lage gewesen, eine Atombombe zu bauen. Das interessanteste Kapitel des Buches ist „Der einsame Deutsche“, deshalb, weil hier Heisenberg als Mensch sichtbar wird. Sein Leben im Nazideutschland. Und Ernst Peter Fischer pflegt eine schöne Metapher, vergleicht Heisenbergs Einsamkeit mit der Einsamkeit des Mönches in dem Gemälde „Der Mönch und das Meer.“ von Caspar David Friedrich: Schwärze und graue Flächen, er ahnt aber die Helligkeit hinter den Dingen.

Ich bin mit dem Autor einverstanden, wenn er sagt, Heisenberg muss zur Allgemeinbildung gehören. Seine „Allgemeinverständlichen Schriften“ lassen sich ohne weiteres lesen, und Heisenberg konnte schön schreiben; z.B. seine Autobiografie „Der Teil und das Ganze.“ Fischer kritisiert ziemlich direkt das Buch „Bildung“ von Dietrich Schwanitz, ohne allerdings den Namen Schwanitz zu nennen, der Heisenberg in seinem Buch unterschlagen hat. Wenn Heisenbergs Erkenntnisse zur Allgemeinbildung gehören sollen, was ich befürworte, dann muss seine Biografie auch schmackhaft zu lesen sein.

Liebe Grüße
mombour
Thomas Hardy: Herzen in Aufruhr
Fernando Pessoa: Buch der Unruhe
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von Anzeige » 07.06.2012, 15:13

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