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Manguel, Alberto - Tagebuch eines Lesers




Manguel, Alberto - Tagebuch eines Lesers

Beitragvon Katia » 29.05.2008, 22:51

[center]Tagebuch eines Lesers von Alberto Manguel[/center]

Der Leser begleitet den Leser Manguel durch ein Jahr - jeden Monat liest der Autor eines seiner Lieblingsbücher wieder. Bekanntes von Wells, Cervantes, weniger Bekanntes von Adolfo Bioy Carares oder Machado de Assis, neues, älteres bunt gemischt. Unter die Leseerlebnisse, mischen sich politische Ereignisse (der Irak-Krieg beginnt), Alltägliches, viele kleine Beobachtungen, Philosophierereien. Manguel gelingt es immer, die Atmosphäre, die Gedanken seiner Lektüre auch in seiner Umgebung, dem momentanen Geschehen wiedergespiegelt zu sehen. So werden seine Lektüreerlebnisse zu ganz besonders persönlichen.

Viele Abschnitte des Buch sind kurz, oft ist es nur ein Satz, in dem ein Gedanke eingestreut wird, fast aphorismenhaft. Also kein Buch zum "In die Hand nehmen und durchlesen", aber zum Entdecken, zum Nachdenken, zum Inspirieren lassen. Manguel ist Leser und Schreiber und lässt uns ein Stück weit an seiner reichen Gedankenwelt teilnehmen - ein Kosmopolit, der in Frankreich eine neue Heimat gefunden hat. Seine Lektürewahl spiegelt seine bisherigen Wohnorte wieder, neben Südamerikanischem reiht sich Margret Atwood ein, Chateaubriand liest er ebenfalls - Weltliteratur im besten Sinne.
Da ich "Die Bibliothek der Nacht" sehr mochte, fand ich es auch schön, dass er in der Zeit als er sein Lesetagebuch führt, gerade seine Bibliothek einrichtete.
Der letzte Satz:
Ich weiß noch nicht, zu welchem Buch mich Machados Wörter führen werden.

Ich weiß auch noch nicht, zu welchem Buch mich Manguels Wörter führen werden, aber ich weiß, dass ich in diesem Buch noch öfter blättern werde!

:stern: :stern: :stern: :stern:

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Re: Manguel, Alberto - Tagebuch eines Lesers

Beitragvon wolves » 11.04.2011, 09:11

Herzlichen Dank noch mal für deine Vorstellung, Katia! So bin ich auf ein ganz tolles Buch gestoßen, das ich mit größtem Vergnügen gelesen habe.

So wie ich gerne Rezensionen über Bücher (sei es einfache Meinungen, ausgefeiltere Versionen oder was auch immer) lese, so mag ich auch Bücher, die mich auf neue Lesespuren bringen oder bekanntes wieder in den Sinn bringt. Manguel hat das bei "Tagebuch eines Lesers" hervorragend gemacht! Es ist ein Vergnügen seinen Lesespuren zu folgen. Und es ist auch spannend zu erfahren, wie ein Buch in den Alltag hineinkommt. Wie politisches und persönliches in Berührung mit dem Lesestoff geführt wird. Das erinnert mich an meine eigene Art zu lesen. Und wie ein Buch zum nächsten führt.

Ich mag mal an der Stelle die Bücher und Autoren aufführen, die man in dem Buch (wieder)entdecken kann:

Adolfo Bioy Casares - Morels Erfindung
H.G. Wells - Die Insel des Dr. Moreau
Rudyard Kipling - Kim
Francois-René de Chateaubriand - Erinnerungen von jenseits des Grabes
Sir Arthur Conan Doyle - Das Zeichen der Vier
Adelbert von Chamison - Peter Schlemihls wundersame Geschichte
Kenneth Grahame - Der Wind in den Weiden
Miguel de Cervantes - Don Quijote
Dino Buzzati - Die Tatarenwüste
Sei Shonagon - Das Kopfkissenbuch
Margaret Atwood - Der lange Traum
Machado de Assis - Die nachträglichen Memoiren des Brás Cubas
Liebe Grüße
wolves


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