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Matuschek, Oliver - Stefan Zweig




Matuschek, Oliver - Stefan Zweig

Beitragvon Casoubon » 16.10.2011, 16:45

Oliver, Matuschek - Stefan Zweig. Drei Leben - eine Biographie

Oliver Matuschek beleuchtet in seiner Biografie des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig (1881-1942) die drei Leben, welche der Autor in seiner Schrift Die Welt von Gestern selbst definiert hatte:

1. Leben: Jugendjahre bis zum Ende des 1. Weltkrieges
2. Leben: Ende 1. Weltkrieg bis Februar 1934
3. Leben: Exiljahre und sein Lebensende

Matuschek läßt mithilfe von Briefen und Bildern den Schriftsteller Stefan Zweig lebendig werden, der als einer der beliebtesten Klassiker des 20. Jahrhunderts gilt. Dabei gelingt es ihn auch einen Blick hinter die Fassade von dem Menschen Stefan Zweig zu werfen.
Je nach Lebensabschnitt verändert sich die Geschwindigkeit des Erzählens - das 1. Leben strahlt Ruhe und Besonnenheit aus - der Leser wird mit auf die Reise genommen, in die Stadt Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erlebt, wie Stefan Zweig reift und die Beschaulichkeit von diesem Lebensabschnitt mit dem 1. Weltkrieg ein jähes Ende findet.
Im Gegensatz dazu rasen die Jahre des 3. Lebens und bringen die Unstetigkeit seines Lebens zum Ausdruck. Es bleibt Spekulation, ob dieser Eindruck vom Autor bewusst gewählt wurde, ich es nur so empfunden habe oder es auch schlicht an mangelnden Quellen lag, welche in den Wirren des 2. Weltkrieges verloren gegangen sind. Wurde aber z.B. das Beginn der Beziehung zu seiner 1. Frau Friderike ausführlichst beschrieben, bekam die Beziehung zu Lotte, seiner späteren 2. Frau, viel weniger Raum.

Matuschek, der Philosophie und Geschichte studierte, gelingt mit dieser Biographie nicht nur ein Blick auf Stefan Zweig und sein persönliches Umfeld, zugleich läßt er auch die Zeit lebendig werden, welche geprägt war von einschneidenden Ereignissen, die die ganze Welt verändern sollte. Außerdem bekommt der Leser auch Einblick in den Literaturbetrieb der damaligen Zeit - wie Verleger arbeiteten, mit welchen Problemen die Autoren zu kämpfen hatten und welchen lebendigen Austausch es untereinander gab.

Für Zweig-Freunde und alle, die es werden wollen, ist diese Biographie eine lesenwerte Bereicherung.

Bild

Rundherum:

ISBN: 978-3100489210
Verlag: S. Fischer
Seiten: 357

LG
Bine
Zuletzt geändert von Casoubon am 17.10.2011, 08:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Matuschek, Oliver - Stefan Zweig

Beitragvon Krümel » 16.10.2011, 17:56

Rezis von hier dürfen auch ins Blog, oder?
BildLiebe Grüße,
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Re: Matuschek, Oliver - Stefan Zweig

Beitragvon Casoubon » 16.10.2011, 19:30

Ja, gerne ...
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Re: Matuschek, Oliver - Stefan Zweig

Beitragvon Coco » 16.10.2011, 22:16

danke für Deine Rezi Casoubon ... kann es sein, dass sich da ein Fehler bei den Lebensdaten ganz oben eingeschlichen hat? Du schreibst er hätte von 1881 - 1922 gelebt; das passt nicht ganz zum 2. Weltkrieg und dem Exil ???

Bei den Daten fällt mir gerade auf, Menschen dieser Generation haben ja eigentlich nur 2 schreckliche Kriege und die chaotische Zeit zwischen den Kriegen erlebt; für jemanden meiner Generation irgendwie unvorstellbar .....
Liebe Grüsse
Coco

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Re: Matuschek, Oliver - Stefan Zweig

Beitragvon Casoubon » 17.10.2011, 08:33

Coco hat geschrieben:danke für Deine Rezi Casoubon ... kann es sein, dass sich da ein Fehler bei den Lebensdaten ganz oben eingeschlichen hat? Du schreibst er hätte von 1881 - 1922 gelebt; das passt nicht ganz zum 2. Weltkrieg und dem Exil ???


Du hast natürlich Recht - hab es geändert - Fehler kam wahrscheinlich, da er an einem 22. gestorben ist.

Coco hat geschrieben:Bei den Daten fällt mir gerade auf, Menschen dieser Generation haben ja eigentlich nur 2 schreckliche Kriege und die chaotische Zeit zwischen den Kriegen erlebt; für jemanden meiner Generation irgendwie unvorstellbar .....


Sie haben auch erlebt, wie schnell sich ihre Welt verändert hat, wie scheinbar feststehende Dinge auf einmal nicht mehr existierten (da kommt einer und legt fest, wer ein Recht auf Leben hat, wessen Werke weiterhin erscheinen dürfen, was die Menschen denken dürfen ...). Bei der ganzen Unsicherheit (keiner wusste, was nach diesem Krieg kommt), Verlusten (sowohl materiell, als auch persönlich) und Veränderungen ist es nicht verwunderlich, dass viele depressiv wurden und gerade kreative Köpfe den Freitod gewählt haben.

Ich habe mich auch gefragt, ob Stefan Zweig sich in unserer Welt wohlgefühlt hätte - auf der einen Seite war er ein sehr ausdauernder, aber auch ungeduldiger Briefeschreiber, d.h. er erwartete umgehende Antworten - somit hätte er ein Freund der neuen Medien werden können. Auf der anderen Seite stand er schon der Erfindung des Radios skeptisch gegenüber - auch wenn er dann im Exil selber zum "Radioten" wurde.

LG
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Re: Matuschek, Oliver - Stefan Zweig

Beitragvon mombour » 20.10.2011, 08:10

Casoubon hat geschrieben:
Ich habe mich auch gefragt, ob Stefan Zweig sich in unserer Welt wohlgefühlt hätte - auf der einen Seite war er ein sehr ausdauernder, aber auch ungeduldiger Briefeschreiber, d.h. er erwartete umgehende Antworten - somit hätte er ein Freund der neuen Medien werden können. Auf der anderen Seite stand er schon der Erfindung des Radios skeptisch gegenüber - auch wenn er dann im Exil selber zum "Radioten" wurde.


Irgendwie scheint es doch oft vorzukommen, dass ältere Generationen, bzw. manche von denen, neue Erfindungen nicht mehr annehmen. Ich habe auch kein e-book und kein Interesse daran, einen Ipod habe ich auch nicht. Warum sollte ich? :D

Danke für die Rezension. Dieses Buch ist auch etwas schönes für mich. Ganz bestimmt. Zweigs Leben ist sehr interessant, habe schon mal eine Doku über ihn gesehen. Seine literarischen Werke finde ich nur teillweise gelungen, kenne allerdings nicht alles.

Liebe Grüße
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Re: Matuschek, Oliver - Stefan Zweig

Beitragvon Karthause » 20.10.2011, 08:36

mombour hat geschrieben:
Casoubon hat geschrieben:
Ich habe mich auch gefragt, ob Stefan Zweig sich in unserer Welt wohlgefühlt hätte - auf der einen Seite war er ein sehr ausdauernder, aber auch ungeduldiger Briefeschreiber, d.h. er erwartete umgehende Antworten - somit hätte er ein Freund der neuen Medien werden können. Auf der anderen Seite stand er schon der Erfindung des Radios skeptisch gegenüber - auch wenn er dann im Exil selber zum "Radioten" wurde.


Irgendwie scheint es doch oft vorzukommen, dass ältere Generationen, bzw. manche von denen, neue Erfindungen nicht mehr annehmen. Ich habe auch kein e-book und kein Interesse daran, einen Ipod habe ich auch nicht. Warum sollte ich? :D


Vielleicht aus Neugier auf das Neue. So geht es mir in der Regel. Ich greife gern mal zum I-Pod, das macht sich richtig gut bei meinen täglichen Spaziergängen, egal ob Musik oder Hörbuch. Durch Neugier bin ich auch auf das Internet an sich gekommen. Ich habe gleichaltrige Bekannte, die das total ablehnen obwohl sie es nicht kennen :roll: , da komme ich mir schon manchmal wie Verrückte mit dem Forum-Tick vor.
Viele Grüße
Karthause

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