Krümels-Bücherwelt ...

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Mey, Reinhard - Was ich noch zu sagen hätte




Mey, Reinhard - Was ich noch zu sagen hätte

Beitragvon marilu » 24.04.2006, 13:15

Reinhard Meys Biographie - ein Gespräch mit Bernd Schröder, vielen Songtexten und Schwarz-weiß-Fotografien.

Inhalt:

Aus der Amazon.de-Redaktion

“Wir kennen uns nicht gut, sind uns ein paarmal im Leben begegnet und haben beschlossen, ein Buch miteinander zu machen.” schreibt Roman-Autor Bernd Schroeder über seine Koproduktion mit Reinhard Mey. Herausgekommen ist ein wunderbares Album, voller Bilder, Texte, Fragen und Antworten, eine Fundgrube an biographischen Details.

Eigentlich kann man das Buch aufschlagen, wo man möchte, den Faden findet man immer. Vielleicht bleibt man bei einem der alten Liedtexte hängen, „Komm, gieß mein Glas noch einmal ein“ oder „Menschenjunges“ oder „Ich trag den Staub von deinen Straßen.“ Melodien werden lebendig, alte Zeiten schnell wieder wach. Vielleicht liest man aber auch mit großem Interesse viele Stimmen, die über Reinhard Mey etwas sagen, erzählen, sich erinnern. Ganz bestimmt aber wird ein Stückchen eigener Lebensgeschichte wach, denn: dieser Mann, Jahrgang 1942, ist ein Phänomen. 1964 begann seine Laufbahn, damals wollte er noch’ wie Orpheus singen’. Was dann bis heute folgte, ist eine Bilderbuch Karriere. Und irgendwie ist das auch ein Bilderbuch-Mann und eine Bilderbuch-Familie. Keine Skandale, dafür gereimt und vertont Auflehnung gegen alles Ungerechte, Unsoziale, Unmenschliche. Protest gegen Krieg, Folter und Tierversuche. Immer wieder Plädoyers für Frieden, Liebe, Kameradschaft. Lieder, die von Menschen und Zwischenmenschlichem erzählen.

Unterhaltsam, sehr abwechslungsreich liest sich das Buch, ein Kaleidoskop voller bunter Momente aus einem schaffensreichen Leben. Und von all seinen Stationen erzählt Reinhard Mey so offen, ehrlich, frei und geradezu intim, wie man ihn aus jedem Fernsehinterview kennt, wie er bei jedem seiner Chansons ‚rüberkommt’. Nichts Unechtes, nichts Gekünsteltes, nichts Gespieltes. Reinhard Mey pur.

Daten werden zusammengefasst, plakativ und übersichtlich, wann erschien welches Album. Interviews lesen sich so hautnah, als säße man bei den Meys mit am Tisch, viele kommen zu Wort, ein rundes Bild entsteht. Schroeders Fragen und Zwischentexte sind persönlich, porträtierend und seriös, nie platt, nie plump oder im Boulevardstil. Das ergibt ein reichhaltiges Lesebuch für die, die mit dem Chansonier aus Berlin groß und alt geworden sind, oder die, die nicht aufhören können dem zuzuhören, „was ich noch zu sagen hätte“.

Reinhard Mey hat übrigens nur einmal in seiner Laufbahn für Werbezwecke zur Verfügung gestanden, für Mustang- Jeans, Hosen, die er ohnehin selbst trug, „weil ich ... wusste, dass die perfekt auf meinen Hintern passten.“ Das Honorar ging an den Kinderschutzbund und bei diesem einen Mal blieb es denn auch.--Barbara Wegmann

Meine Meinung:

Ein Buch zum Zurücklehnen, Ausspannen mit einem Gläschen Wein oder Tee und schon steckt man mitten in dem Gespräch zwischen Reinhard Mey und Bernd Schroeder. Man erfährt viel über den Musiker und den Familienvater. Auch seine Frau Hella und seine Kinder kommen zu Wort. Angereichert sind die einzelnen Kapitel mit Liedtexten zu den entsprechenden Themen.

Es entsteht das Bild eines integeren, sympathischen Menschen, der weiß, was er erreicht hat, aber dennoch mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Jemand, der sagt, was er denkt und über sich lachen kann. Der Höhen und Tiefen des Lebens kennt, aber nie die Zuversicht in die Zukunft verliert.
Das Bild eines Menschen also, den man gerne kennen und bewundern möchte. Eine Lektüre für die Seele...
...und ein Grund, die alten Platten mal wieder hervorzuholen und in den schönen Liedern zu schwelgen.

ALLERDINGS ist dies kein Buch für jemanden, der eine konventionelle Biographie erwartet. Die Sprünge in der Zeit und zwischen den Themen sind immens. Auch die Bilder passen nicht immer zu den Gesprächsinhalten, bzw. den Zeiten, um die es sich handelt. Das hat mich anfangs verwirrt, aber wenn man es einmal weiß, stellt man sich darauf ein.
Wer aber Freude an einem "Gespräch unter vier Augen" hat, wird sich hier sehr wohlfühlen.
Reinhard Mey: Was ich noch zu sagen hätte

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Zuletzt geändert von marilu am 14.04.2007, 19:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Pippilotta » 24.04.2006, 16:10

Das ist ein Buch, auf das ich es seit seinem Erscheinen abgesehen habe :D und irgendwann - ich hoffe bald - werde ich es mein eigen nennen, und deshalb freue ich mich umso mehr, dass ihm hier ein eigener Thread gewidmet ist!

Anlässlich des Erscheinens dieser Biografie war R. Mey bei "Beckmann" zu Gast. Ihm glaubt man den "Gutmenschen" einfach, er ist sehr authentisch, und man hat wirklich das Gefühl, es ist ihm egal, wieviel Geld er mit seinen Platten verdient (und schon verdient hat), und er will wirklich immer noch die Welt ein bisschen verbessern.

Vor 3 Wochen war ich bei einem Konzert von ihm, es war ganz großartig. So richtig gemütlich, ohne viel Firlefanz. Schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans, seine Gitarre und die Verstärker. Mehr war da nicht. Keine Lichtorgeln, keine farbigen Spots. Nach jedem Lied eine kurze Geschichte, viel Autobiografisches, viele Seitenhiebe auf Gesellschaft und Politik, es war richtig heimelig und schön.

Ja, ein Mensch, den man gerne persönlich kennenlernen will, der sicherlich noch viel zu sagen hat....
Herzliche Grüße
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Beitragvon marilu » 24.04.2006, 16:16

Oh, wie ich dich beneide! :D
Das war bestimmt ein wunderschönes Erlebnis! Etwas, woran man sich immer erinnern kann, und weiß, dass man einen der letzten großen Liedermacher gesehen hat!

Ich habe es noch nie zu einem Konzert von ihm geschafft, aber liebe seine CDs - die sind immerhin besser als gar nichts. 8)
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Beitragvon Pippilotta » 24.04.2006, 18:28

ja, es war mein erstes Konzert (er kommt zwar fast jedes Jahr im März nach Österreich, aber das Konzert in Linz ist immer gleich ausverkauft. Heuer hatte ich das Glück sogar auf eine FREIKARTE (deshalb die 3. Reihe), es war wirklich ein ganz wunderbares Erlebnis, an das ich mich immer gerne zurückerinnere.

Und was ich noch sagen wollte: er steht zu seinem Alter und ist sich selber treu geblieben. Er hat keine künstliche Haarfarbe nötig, keine glänzenden Satin-Anzüge und keine Omnipräsenz in diversen Fernsehshows - das rechne ich ihm hoch an! .... wenn ich so beobachte, wie sich andere "Promis" in seinem Alter aufführen ..... :dance: :abgelehnt:
Herzliche Grüße
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Beitragvon Karthause » 24.04.2006, 20:08

Wir waren voriges Jahr im Oktober beim Reinhard Mey Konzert. Toll. Super. Wahnsinn. Da stand er in schwarzem T-Shirt und schwarzen Corghosen auf der großen Bühne mit schwarzem Hintergrund und einem riesigen Kürbis mit Kerze innen drin. 2 Stunden Live-Musik vom Feinsten. Wir haben geklatscht, getrampelt und fleißig mitgesungen. Die Folge davon war, dass ich am nächsten Tag in den Buchladen gegangen bin und mir seine Biografie gekauft habe. Die fand ich auch sehr gelungen. Nicht so 08/15 wie viele andere.

:love: Ach ja, da kann auch eine alte Frau noch ins Schwärmen kommen.

Für mich ist Reinhard Mey ein Mensch, der seine Überzeugungen lebt und er ist MENSCH.
Viele Grüße
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Beitragvon Pippilotta » 14.10.2006, 13:10

Nun habe ich dieses wunderbare Buch auch endlich gelesen!

Es ist das Porträt eines Mannes, der mit beiden Beinen am Boden geblieben ist.
Es geht um seine Kindheit im Nachkriegs-Berlin, seine musikalischen Anfänge, seine Liebe zu Frankreich, seine erste Ehe mit Christine ("deren wunderbare Zeit einfach irgendwann abgelaufen ist" ), seine große Liebe Hella, seine Leidenschaft zur Fliegerei, sein unsägliches Lampenfieber vor jedem Konzert, seine Haltung gegenüber Ungerechtigkeit und soziale Missstände, sein Verhältnis zu Geld und Reichtum und nicht zuletzt um seine Kinder, die ihm schon das eine oder andere graue Haar verursacht haben.

Ein wunderbarer Bogen über ein sehr bewegtes Leben wird gespannt. Das im Interview-Stil geschriebene Buch (Mey antwortet auf Fragen bzw. auf Einwürfe oder Feststellungen Schröders) verleiht das Gefühl, mit den beiden an einem Tisch zu sitzen. Mey behält sich dennoch seine intimste Privatsphäre vor, es gibt keine Seelenausgrabung, aber er beantwortet jede Frage ehrlich (zumindest hatte ich dieseen Eindruck) und oftmals auch mit einem Augenzwinkern.

Und das Beeindruckendste daran ist, dass man ihm den "Gutmenschen" abnimmt. Er ist der Kumpel von nebenan, und ihm glaubt man das. Er meidet die Medien und den Boulvard, öffentliche Auftritte werden sorgfältig ausgewählt, für viele Dinge "gibt er sich einfach nicht her". Er bezeichnet sich selber als "Agnostiker", hat mit der Kirche nicht viel am Hut und lebt dennoch das Christentum schlechthin.

Ich hoffe, er hat uns noch viel zu sagen!

:stern: :stern: :stern: :stern: ( :stern: )
Herzliche Grüße
Pippilotta


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Beitragvon Pippilotta » 07.09.2009, 12:33

Wer Reinhard Mey kennt weiß, wie wichtig ihm seine Familie ist und dass seine Kinder den höchsten Stellenwert in seinem Leben einnehmen.

Es macht mich recht traurig heute zu lesen, dass Reinhard Mey um das Leben seines Sohnes Max bangt (der nicht nur für das Lied "Du bist ein Riese Max" Pate stand).

http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/leute/2009/09/06/reinhard-mey/sohn-maximilian-seit-sechs-monaten-im-wachkoma.html
Herzliche Grüße
Pippilotta


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Beitragvon Karthause » 07.09.2009, 12:46

Wie schrecklich. Da kann man nur mit ihm hoffen. Ich erinnere mich noch lebhaft an sein Konzert im vergangenen Herbst, er erzählte wie stolz er doch auf jedes seiner Kinder ist und wie froh er ist, dass seine Jungen nicht zum Bund gegangen seien. Sonst müsste er auch fürchten, dass sie zu Auslandseinsätzen geschickt würden.

Diese Meldung macht mich sehr traurig.
Viele Grüße
Karthause

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