Es sind die typischen Themen der zeitgenössischen amerikanischen Literatur, denen sich Jonathan Franzen bedient. In teils sehr gelungenen, authentischen Passagen gelingt es ihm großartig, das amerikanische Lebensgefühl einzufangen. Die europäischen Wurzeln, der Drang, sich von diesen zu lösen, die Beschreibung des American Way of Life (die meiner Meinung nach Franzen ganz hervorragend gelingt!), sehr zeitkritisch und ungewohnt satirisch in Bezug auf Politik, Globalisierung, Gesellschaft, Kapitalismus usw. Inwiefern hier mit Stereotypen und mit Klischees gearbeitet wird, kann ich schwer beurteilen, aber ich fand, dass Franzen den Puls der Zeit sehr gut trifft und mir schon begreiflich machen konnte, wie die Amerikaner (oder der Großteil davon) so ticken.
In allen möglichen Varianten und Definitionen wird man mit dem dem Begriff "Freiheit" konfrontiert, ohne dass dieser überstrapaziert wird. Sei es politische, persönliche, sexuelle Freiheit oder Gedanken- und Meinungsfreiheit. Sei es die Freiheit,selber eine Entscheidung zu treffen oder auch die Freiheit dies nicht zu tun und die Konsequenzen auf sich zukommen zu lassen. Und trotzdem gibt es die allgemein gültige Freiheit nicht bzw. stellt sich heraus, dass die persönlich empfundene Freiheit mit vielen Unfreiheiten verbunden ist.
Ein großes Minus gibt es einerseits für das allzuvorhersehbare und wenig originelle Ende, für die eine oder andere Länge im Buch, aber auch für die teilweise grottenschlechte deutsche Übersetzung.



