Anhand einer erfundenen Geschichte, die Geschichte Zolis, die ein wenig einer polnischen Dichterin „Papusza“ angelehnt ist, bringt uns McCann in diesem Roman das Leben der Zigeuner näher. Das Buch erzählt uns die Geschichte der slowakischen Romas, und wie dieses Volk verfolgt, vertrieben, gefoltert und ermordet worden ist. Es erzählt davon, wie die Kommunisten die Zigeuner zu Brüdern machten, und sie später dazu gezwungen wurden, sesshaft zu werden. Und vor allen Dingen wird auf die vielen Vorurteile hingewiesen, die oft gar nicht so falsch sind, aber falsch interpretiert werden.
Zoli verliert als Kind ihre Eltern, und flüchtet mit ihren Großvater von Bratislava aus in den Süden der Slowakei, wo sie ihre Cousinen und Vettern begegnen, und sich dieser Sippe anschließen. Auf dieser langen Reise erfährt Zoli, dass ihr Großvater rechnen, schreiben und lesen kann, und die kindliche Neugier auf diese Fähigkeiten bringt den alten Mann später dazu, dass auch Zoli schreiben und lesen lernt. Wobei das absolut nicht im Sinne des Fahrenden-Volkes ist, denn das geschriebene Wort bedeutet für sie ein Stück Tod. Es ist fest, endgültig und unwiderruflich, Eigenschaften, die sich mit ihrem Leben nicht vereinbaren lassen, und so fürchten sie sich vor dem geschriebenen Wort.
Es braucht nicht lange bis Zoli entdeckt, dass in ihr ein Talent schlummert. Zunächst textet sie nur die alten Lieder um, doch dann schreibt sie ihre eigenen. Traurig, schwermütig, ganz tief aus ihren Innern holt sie diese Worte. Und auch das Sesshafte-Volk braucht nicht lange bis sie ihre Gedichte lieben. So wird aus Zoli ein Star, der im ganzen Land rumgereicht wird. Hochgelobt, um dann dazu benutzt zu werden, ihrem Volk die Freiheit zu stehlen. Letztendlich führt das soweit, dass sie von ihrer Sippe verstoßen wird, und flüchten muss.
McCann hat mit seiner „Zoli“ nicht nur die Geschichte der Zigeuner aufgezeigt, sondern er bringt uns ihre Kultur damit näher. Der Leser erfährt, dass Vorurteile wie zum Beispiel, dass Zigeuner stehlen, nicht aus der Luft gegriffen sind, sondern nur zwei verschiednen Welten spiegeln. Das uns Wertgegenstände wichtig sind, und für sie Dinge entweder brauchbar und
nehmbar, oder überflüssig sind. Die Wertschätzung, auch bezüglich des Geldes, und damit verbunden der Arbeitslohn, existiert in ihrem Denken nicht.
Alleine das Wort „Zigeuner“ erzeugt in uns oft Furcht und Angst, aber auch Sehnsüchte. Je nachdem ob wir das Fremde verabscheuen, weil es so fern ab unserer Kultur ist, oder ob wir darin das große Abenteuer sehen.
Dieses Buch ist ein ganz großer Schritt dahin zwei fremde Kulturen einander näher zu bringen. Die Sprache des Autors ist sehr angenehm zu lesen, und die verschiedenen Blickwinkel lassen den Roman und die Protagonisten lebendig werden. Großartig!

(:stern:)