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McGahern, John - Unter Frauen




(der Autor/in lebt noch, und spiegelt die heutige Zeit)

McGahern, John - Unter Frauen

Beitragvon tom » 26.06.2007, 22:50

Original: „Amongst Women“

ZUM INHALT:
Michael Moran, ehemaliger irischer Freiheitskämpfer, ist der geliebte, gefürchtete Patriarch über drei Töchter und zwei Söhne, die in verschiedener Weise mit ihrem schwer berechenbaren Vater umgehen: da ist der Älteste, Luke, der aus bis zuletzt nur angedeuteten Gründen nach London geflohen ist; die drei Töchter, die zur Arbeit in England, bzw. nach Dublin gegangen sind, aber eigentlich mehr auf dem väterlichen Hof zuhause bleiben und der Jüngste, Michael, der sich ebenfalls auflehnt, fortgeht, aber später ein Modus vivendi mit dem Vater findet. Und da ist die heiligmäßige zweite Ehefrau, viel jünger als Moran, die auf ihre Art und Weise die Charakterunebenheiten ihres Mannes zu besänftigen sucht.

ZUM AUTOR:
John McGahern wurde 1934 in Dublin geboren und wuchs in Ballinamore (Country Leitrim), dann Cootehall (County Roscommon) auf. Erste Veröffentlichungen (und sofortige Auszeichnungen) ab 1963. Konflikte mit der "Zensur". Bekanntestes Buch "Unter Frauen", der für den Bookerpreis nominiert war. John McGahern starb im März 2006.

MEINE SICHT:
Einerseits ist die Erzählung eingebettet in einen typisch irländischen Kontext (ehemaliger Freiheitskampf, Emigrationsproblem, Tradition und Moderne, England-Irland-Konflikt, Volksfrömmigkeit etc.), andererseits erinnert die Schilderung der Beziehungen zwischen dem Vater und den Kindern vielleicht an universelle Fragen: das Einlenkende, eher Versöhnliche der Frauenfiguren; das Hartnäckig-Widerstrebende der eingeengten Söhne. In diesem Umfeld verteidigt Moran die alles überragende Bedeutung der Familie, jedoch in einem Sich Absondern von den anderen, allem Außenstehendem.

Der Vater beherrscht also dieses Buch, doch man könnte nicht eindeutig von einem „schlechten“ oder „guten“ Vater reden, so sehr seine Art auch im Hause stimmungsbestimmend ist und gutes oder schlechtes Wetter ansagt. Wessen „Opfer“ er selber wohl war – wird letztlich nicht durchargumentiert. Doch dies verstehe ich nicht als Kritik. Jeder ist wohl auch ein Kind seiner Zeit?

Ein sehr gut geschriebenes Buch, das ich empfehlen kann.

:stern: :stern: :stern: :stern:/:stern:

Broschiert: 325 Seiten
Verlag: Steidl Gerhard Verlag (1999)
ISBN-10: 388243676X
ISBN-13: 978-3882436761

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tom
 

von Anzeige » 26.06.2007, 22:50

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