Nach der fantastischen Novelle "Meeresrand" habe ich nun hier meinen zweiten ( und ihren fünften ) Roman von Olmi vor mir liegen.
"Ein Mann eine Frau"
Meine Erwartungen an Veronique Olmi waren erwartungsgemäß sehr hoch, habe ich sie doch als virtuose Sprachkünstlerin mit anspruchsvollen Thematiken und aufgefeilten Storys in Erinnerung.
"Ein Mann eine Frau" stehe ich allerdings sehr ambivalent gegenüber.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Da ist eine abgemagerte, leidgezeichnete Frau Anfang Vierzig, Mutter von zwei Kindern, deren Ehe gerade ein Ende mit Schrecken genommen hat, ihr Mann wurde geisteskrank. Sie leidet sehr, besonders unter der Tatsache das die Kinder derzeit bei ihrem Vater sind, also in Gefahr und außerhalb ihrer Reichweite.
Und da ist ein etwas korpulenter Mann in den Fünfzigern. Er hat sie lange aus der Ferne begehrt, nun treffen sie sich zum ersten Mal. Sie verbringen einen Nachmittag zusammen in einem Hotel. Sie schlafen miteinander.
Beide hadern mit ihren Körpern, wie mit ihren persönlichen Schicksalen, lernen jedoch beide an diesem Nachmittag sich selbst, die Liebe und das Leben neu kennen.
Auf der einen Seite überzeugt Olmi wieder einmal mit ihrer Sprachgewalt und ihrem Gefühl für Situationen, menschliches Drama und ungewöhnlichen, aber romantischen Atmosphären. Jede Szene, jedes Bild, jedes Gefühl wird seziert und dem Leser en detail nahe gebracht.
Auf der anderen Seite ist in diesem Roman das Gleichgewicht zwischen Story und den eingehenden Beschreibungen des Geschlechtsaktes durcheinander geraten. Von den hundert Seiten des Buches widmet sie achtzig dem eigentlichen Akt.
Hier stören nicht so sehr die drastischen, derben Schilderungen, die fast pornografischen Szenen an sich, (obwohl einen schon das Gefühl beschleichen kann unerwünschter Spanner zu sein) nur eben deren Ausmasse.
Die Hintergründe und Motive der Protagonisten werden vernachlässigt, zu sehr meiner Meinung nach. Man lernt die Figuren nicht kennen, sie und ihre Geschichten bleiben fremd.
Die Einleitung zu diesem Nachmittag im Hotel will zu schnell zu dem Punkt des Geschlechtsaktes führen, ebenso ist die kurze Abhandlung am Schluss unbefriedigend. Ein Nachmittag mit Sex, der einem bewusst macht das Leiden zum Leben gehört? Irgendwie passt hier einiges nicht.
Fazit:
Zwar ein etwas verunglückter, ungewöhnlicher Roman einer wunderbaren Autorin, aber irgendwie doch lesenswert.
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Edit: Könnte jemand mal meinen Beitrag an Siebensteins anhängen? Habe nicht richtig geguckt....