(der Autor/in lebt noch, und spiegelt die heutige Zeit)
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Rammstedt, Tilman - Wir bleiben in der Nähe

07.02.2007, 21:19

Inhalt:

Der Leser begegnet Felix am Strand. Man wird in die Geschichte gesogen, während Felix darüber philosphiert, dass auch das Meer kein guter Entscheider ist. Nach und nach erfährt man durch Rückblenden, weshalb er sich am Strand der französischen Atlantikküste befindet und dort versucht, eine Entscheidung zu treffen.

Einen Teil der Hintergrundsgeschichte möchte ich hier schon vorweg nehmen, ohne zu spoilern.

Katharina Falter ist die Triebfeder dieses Romans. Sie war lange mit Felix und Konrad befreundet. Nach einer zweijährigen Beziehung mit Konrad und einer halbjährigen Affäre mit Felix zieht sie einen Schlusstrich. Erst drei Jahre später hören die beiden ehemaligen Freunde erneut von ihr, als sie je eine Hochzeitseinladung erhalten. Sie treten wieder miteinander in Kontakt, reisen zu Katharina in der Hoffnung auf... - ja, auf was eigentlich?

Die Begegnung mit Katharina verläuft ereignisreich und öde zugleich. Und bald stolpern Konrad und Felix von einer Situation in die nächste.

Meine Meinung:


Was soll ich sagen? Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich letztendlich zum Roman stehe. Eher positiv, aber einiges fehlte mir leider. Überlegen

Anfangs hatte ich leichte Probleme damit, mich in die Grammatik des Autors einzulesen, aber schon bald steckte ich mitten in der Handlung. Die regelmäßigen Sprünge zwischen Gegenwart und Erinnerung haben mir sehr zugesagt, denn sie verlängern die Spannung und intensivieren die Atmosphäre.

Vorhin habe ich überlegt, wem ich das Buch empfehlen würde. Auch das weiß ich nicht - langsam wird die Rezension echt peinlich,... auf nichts habe ich eine Antwort. Engel Ich würde jetzt erstmal sagen, dass Tilman Rammstedt sicher die 20- bis 40-jährige ansprechen will, deren Erfahrungswelt noch nah genug an der "guten alten ersten Liebe" dran ist und die noch zu Nostalgie fähig sind. Betrunken
Eine naive Nostalgie, die daran glaubt, verpasste Chancen entgegen allen Erwartungen aufzuarbeiten.

Leider hört der Roman da auf, wo ich mir gewünscht hätte, noch mehr zu erfahren. Vieles wird nur angesprochen, aber nicht aufgelöst. Insbesondere Katharina bleibt blass und
es ist schade, dass Felix bis zum Schluss nicht weiß, was er eigentlich von der Entführung erwartet und was seine Motivation ist. Der Leser weiß letztendlich mehr als der Erzähler, der auf in Bezug auf Katharina auf Selbstreflektion verzichtet.



Schade, das hätte der Geschichte noch eine tiefere Dimension gegeben.

Trotzdem bin ich froh, einen neuen jungen deutschen Autoren entdeckt zu haben. "Wir bleiben in der Nähe" wird sicher nicht sein letzter Roman sein. Keine Ahnung, ob man das Buch gelesen haben MUSS, aber es hat mir irgendwie gut getan.

:stern: :stern: :stern:

Bild
Zuletzt geändert von marilu am 14.04.2007, 18:06, insgesamt 1-mal geändert.

07.02.2007, 21:19

08.02.2007, 08:26

Ich mag solche Rezis wie du sie jetzt gerade geschrieben hast. Diese Nachdenklichkeit über ein Buch finde ich immer wieder faszinierend. Wie stehe ich zu diesem Buch? Die Gedankengänge der oder des Rezensenten hier nachzuvollziehen macht wirklich neugierig auf dieses Buch. Deine Rezi würde ich mal mit "zögerlich aber doch entschieden" beschreiben. Fand sie einfach nur gut und beeindruckend. Danke dafür.

Also werde ich mir auch dieses Buch kaufen, was bleibt mir denn auch anderes übrig. :wink:

08.02.2007, 08:43

:danke: , Voltaire!

Übrigens gibt es das Buch ab nächstem Monat als Taschenbuch:

Bild

...damit kommt der Versuch dich nicht zu teuer zu stehen. :wink:

Stellenweise ist es etwas oberflächlich, aber manche "Szenen" sind einfach wunderbar! Die Handlung läuft filmartig vor dem geistigen Auge ab - eigentlich perfekter Stoff für einen dieser neuen deutschen Filme. Sollte das Buch jemals verfilmt werden, werde ich den Film definitiv sehen!

09.03.2007, 14:29

Etwas ratlos habe ich das Buch schon aus der Hand gelegt. Für einige Stunden war es ein Begleiter gewesen, mit dem ich nicht so richtig warm wurde. Rammstedt schreibt sicher nicht schlecht, allerdings erreicht er mich nicht unbedingt mit seinen Texten. Manchmal wirkt alles ein wenig zu wortverliebt. Rammstedts Sätze nehmen einen riesigen Anlauf, zögern dann aber vor dem Absprung und landen oftmals nur als Satzruine. Zudem hat man das Gefühl, als würde er gern etwas anderes sagen, als er es dann letztendlich zu Papier bringt. Die unsägliche Heidenreich sieht in Rammstedt „einen Autor den sie sehr schätzt und sie freut sich ein Bein ab, dass dieses Buch so gut ist wie das erste Buch von Rammstedt“. Ein solcher, durchaus hohler Kommentar, passt zu diesem Buch. Vieles ist einfach zu nichtssagend, als das es auf Dauer im Gedächtnis bleibt. Die WELT AM SONNTAG versteigt sich sogar dazu, Rammstedt als den „Erzähler einer neuen Zeit“ zu titulieren, fast ein Grund das Abonnement dort zu kündigen.
Es ist kein schlechtes Buch, es ist ein Buch, dass man dann lesen sollte, wenn man gerade ein anderes Buch nicht zur Hand hat.

10.03.2007, 08:22

Voltaire hat geschrieben:Die unsägliche Heidenreich sieht in Rammstedt „einen Autor den sie sehr schätzt und sie freut sich ein Bein ab, dass dieses Buch so gut ist wie das erste Buch von Rammstedt“. Ein solcher, durchaus hohler Kommentar, passt zu diesem Buch. Vieles ist einfach zu nichtssagend, als das es auf Dauer im Gedächtnis bleibt. Die WELT AM SONNTAG versteigt sich sogar dazu, Rammstedt als den „Erzähler einer neuen Zeit“ zu titulieren, fast ein Grund das Abonnement dort zu kündigen.


Das Zitat der WELT AM SONNTAG kannte ich nicht. Das stimmt ja mal gar nicht. Ich kenne viele Autoren, denen man dieses Lob eher aussprechen kann... Tsss...
Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass sich Rammstedt weiterentwickelt und meine Erwartungen an seinen nächsten oder übernächsten Roman erfüllt. Ich glaube fest, dass noch mehr in ihm steckt.
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